Schloss Oelber am weißen Wege
Landkreis Wolfenbüttel, Niedersachsen
Schloss Oelber am weißen Wege zählt zu den reizvollsten Adelssitzen Südniedersachsens. Die heutige Gestalt des Gebäudes ist über Jahrhunderte gewachsen und geht auf eine mittelalterliche Niederungsburg zurück, deren malerische Erscheinung bereits vor den Restaurierungen der 1980er Jahre den romantischen Eindruck der Anlage prägte. So wurde Schloss Oelber 1960 als Kulisse für den Spielfilm Das Spukschloss im Spessart genutzt.
Der Ort Oelber, erstmals 1226 urkundlich erwähnt, erhielt seinen Namen durch die historische Landstraße, die mit weißen Kalksteinen befestigt war. Geographisch lag Oelber an der Grenze zwischen dem Bistum Hildesheim und den welfischen Territorien des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. Seit 1296 sind Angehörige der Adelsfamilie von Cramm in Oelber nachweisbar, die auf den Ort Cramme bei Wolfenbüttel zurückgehen und bis ins 12. Jahrhundert verfolgt werden können. Sie stellten mehrfach Domherren in Halberstadt und Hildesheim und erwarben im 17. Jahrhundert auch Besitz in Sambleben. Zeitgleich lebten seit dem 14. Jahrhundert die Herren von Bortfeld in Oelber, beide Familien teilten sich die Burganlage und schlossen 1395 einen Burgfrieden. Im 14. Jahrhundert entstanden bei den von Cramm zwei Linien: die Aschwinsche, die 1578 erlosch, und die Burchardische Linie. Die von Bortfeld teilten sich ebenfalls zeitweise in zwei Linien. Die komplexen Besitzverhältnisse spiegeln sich noch in der Baugeschichte der Schlossanlage wider.
Burchard VI. von Cramm ließ 1588 den Südflügel der Oberburg, auch „Alt-Cramm“ genannt, neu errichten. Es entstand ein dreigeschossiger Renaissancebau mit typischen Doppelfenstern; das zweite Obergeschoss diente als Hauptstockwerk. Das Hauptportal, vor der Hofdurchfahrt gelegen, ist durch Pilaster, Gebälk und Giebelaufsatz klassisch gerahmt. Oberhalb des Portals befindet sich ein Altan mit Balustrade, der in das zweite Obergeschoss hineinragt. Eine Brücke führte über den ursprünglichen Wassergraben, der die Oberburg schützte. Im Osten wurde ein Wirtschaftshof angelegt, der heute Teil des Parks ist.
Auch die von Bortfeld errichteten Neubauten innerhalb der Rundburg im späten 16. Jahrhundert sind erhalten, insbesondere der dreigeschossige Nordflügel. Sowohl Nord- als auch Südflügel zeigen eine weiße Schlämme mit rot gefassten Bauteilen, Rundbogenportale deuten auf die ursprünglich eigenständige Erschließung hin. Kupferstiche von 1654 dokumentieren die Giebel und Zwerchhäuser der Renaissancebauweise, die dem Schloss einen repräsentativen Eindruck verliehen.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Oberburg 1626 durch Artilleriebeschuss erhebliche Schäden. Die Ostseite wurde zerstört, an der Westseite entstanden ebenfalls Beschädigungen, die noch heute durch die Öffnung des Schlosshofes („Bresche“) sichtbar sind. Nach dem Krieg blieb der Besitz ausschließlich bei den von Cramm, die im 17. und 18. Jahrhundert die nordwestlichen Fachwerkbauten ergänzten.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts führte Adalbert Hildemar von Cramm umfassende Um- und Neubauten durch. Bis 1847 errichtete er den Osttrakt der Oberburg neu und ergänzte im Schlosshof einen hohen Turm mit Treppenhaus, der durch seinen auskragenden Aufbau und Spitzhelm an einen mittelalterlichen Bergfried erinnert. Die parkseitige Ostfassade erhielt eine achteckige Auslucht, einen Erker und eine Rundbogenloggia mit Freiterrasse. Diese Elemente tragen zusammen mit neugotischen Innenausstattungen zum malerischen Charakter der Oberburg bei. Während der Restaurierungen der 1980er Jahre wurden die 19. Jahrhundert-Bauten teilweise steinsichtig belassen und farblich von den Renaissancebauten abgesetzt.
An der Zufahrt zur Oberburg steht die Unterburg, ein rechteckiger Renaissancebau mit Auslucht, der 1593/94 für Franz Jakob von Cramm errichtet wurde und auch als „Neu-Cramm“ bezeichnet wird. Bereits 1587 war der Besitz zwischen Franz und Burchard VI. von Cramm geteilt worden.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Schlossgräben verfüllt und der einstige Wirtschaftshof an der Oberburg beseitigt; westlich der Oberburg entstanden neue Wirtschaftsgebäude. Diese klassizistisch gestalteten Bauten dienen heute vielfältigen Zwecken, darunter Ausstellungen und Märkte, und tragen zur funktionalen Nutzung des historischen Anwesens bei.
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aus dem Landkreis Wolfenbüttel

Sándor Kotyrba
Sándor Kotyrba