Schloss Wolfenbüttel

Niedersachsen

Das ehemalige herzogliche Residenzschloss Wolfenbüttel, heute genutzt als Gymnasium, Heimatmuseum und Bundesakademie für musische Bildung, geht auf eine mittelalterliche Burganlage zurück, die seit 1188 belegt ist. Bereits 1118 werden die Herren von Wolfenbüttel urkundlich erwähnt. Nach Zerstörungen in den Jahren 1191 und 1255 wurde die Burg um 1283 unter Herzog Heinrich dem Wunderlichen neu errichtet, womit der Grundstein für die spätere Residenzfunktion gelegt wurde.

Von 1432 bis 1754 diente das Schloss als alleinige Residenz der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Während des Schmalkaldischen Krieges erlitt die Anlage erhebliche Schäden. Unter Herzog Heinrich dem Jüngeren (†1568) und Herzog Julius (†1589) erfolgte anschließend ein großzügiger Ausbau, an dem die Baumeister Francesco Chiaramella und Paul Francke maßgeblich beteiligt waren. Paul Francke vollendete vermutlich auch den Hausmannsturm, der 1614 errichtet wurde.

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurde das Schloss im Stil des Barock umfassend umgestaltet: Zwischen 1643 und 1697 erhielten die Hoffassaden Arkadengänge, ein zweites Obergeschoss wurde errichtet und unter Herzog Anton Ulrich (†1714) wurden die Innenräume, die Treppenanlage und die Fassaden vereinheitlicht. Die Architekten Johann Balthasar Lauterbach und Hermann Korb prägen noch heute das äußere Erscheinungsbild. Ab 1796 wurden Teile des Südflügels und die Schlosskapelle abgebrochen. Um 1835-1840 erfolgte der Umbau des Redoutensaales zum Theater, das 1918 durch Brand zerstört wurde. Seit 1925 wurde das Schloss zu Schulräumen umgebaut, wobei die historische Substanz weitgehend erhalten blieb. Restaurierungen im 20. Jahrhundert – insbesondere nach Bränden 1982 – führten zur Rekonstruktion barocker Fassungen und zur Freilegung ursprünglicher Raumstrukturen.

Luftbild vom Schlossplatz in Wolfenbüttel mit dem ehemaligen Residenzschloss, der Herzog-August-Bibliothek, dem Zeughaus und dem Kleinen Schloss.

Ostansicht von Schloss Wolfenbüttel mit Nord- und Ostflügel sowie dem Hausmannsturm.

Ostansicht von Schloss Wolfenbüttel mit Nord- und Ostflügel sowie dem Hausmannsturm.

Außenbau

Der Grundriss des Schlosses folgt der mittelalterlichen Burgstruktur: Einzelgebäude gruppieren sich unregelmäßig um einen Innenhof, umgeben von einem Graben. Die äußere Erscheinung des Schlosses ist jedoch wesentlich durch die barocken Umbauten des 17. und 18. Jahrhunderts geprägt.

Die dreigeschossigen Fassaden an Ost-, Nord- und Nordwestseite wurden von Hermann Korb gestaltet. Sie sind durch Gesimse und Pilaster gegliedert und imitieren monumentale Steinarchitektur in überfasstem Fachwerk. Besonders markant ist die Ostfront mit dem imposanten Torbogen, dem Wappen der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg (1716) sowie einem reichen Skulpturenprogramm auf Balustrade und Brücke, das dem Hofbildhauer Franz Finck zugeschrieben wird.

Charakteristisch sind außerdem die Zwerchgiebel mit Volutenspangen, Festons und figürlichen Skulpturen. Der Hausmannsturm (1614) im Nordosten dominiert die Anlage mit einer bewegten Dachsilhouette und umlaufender Galerie. Mittelalterliche Substanz ist im Turmunterbau mit Verlies und in einem vorgelagerten zweijochigen, kreuzgratgewölbten Raum erhalten. Ein halbrunder Wehrturm an der Südspitze stammt aus dem Jahr 1471.

Die Renaissancebauteile sind in der Mauersubstanz weitgehend erhalten. Dazu gehören die Schlosskapelle von 1558 (Chiaramella) mit Kellergeschoss, oktogonalem Mittelpfeiler und Kreuzrippengewölbe, die Toreinfahrt mit kassettiertem Tonnengewölbe sowie die Erker- und Giebelanlagen. Reste der ursprünglich figürlich bemalten Galerie sind an Nordwestflügel und ehemaligem Treppenturm aufgedeckt worden. 1643/44 erhielten die Hoffassaden zwei offene Arkadengänge, die 1690-97 teilweise geschlossen und mit einem zweiten Obergeschoss ergänzt wurden. Die barocke Farbigkeit der Fassaden – grau und ocker auf gebrochenem Rosa mit Fenstern in Scheinmalerei wurde bei Restaurierungen wiederhergestellt.

Hauptportal von Schloss Wolfenbüttel vom Schlossplatz aus

Komplette Figurengruppe mit Wappen über dem Portal von Schloss Wolfenbüttel.

Wappen der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg über dem Hauptportal

Wasserspeier an der Südostecke

Giebel an der Ostfassade von Schloss Wolfenbüttel

Zwischen 1643 und 1697 erhielten die Hoffassaden Arkadengänge sowie  ein zweites Obergeschoss als Fachnwerkkonstruktion.

Arkaden des Nordflügels im Innenhof

Blick durch den westlichen Ausgang von Schloss Wolfenbüttel auf das gegenüberliegende Spiegelschloss. Ein Neubau für das Gymnasium im Schloss.

Schloss Wolfenbüttel innen

Die Innenräume des Schlosses verbinden Renaissance- und Barockgestaltung. Im Erdgeschoss des Südwestflügels befindet sich eine zweischiffige Halle mit Kreuzgratgewölbe, getragen von gedrungenen toskanischen Holzsäulen. Ein Kamin von 1609 ergänzt die Ausstattung.

Die Haupttreppe von Lauterbach verbindet die Appartements des Herzogs und der Herzogin. Das Treppenhaus ist mit Blendarkaden aus Korb- und Schulterbögen gegliedert. Die herzoglichen Räume umfassen Vorgemach, Audienzsaal mit Deckengemälde „Magnanimität“ und das Schlafgemach mit Alkoven und Parkettfußboden. Die Herzogin bewohnte den sogenannten Venussaal mit barocker Deckengestaltung „Triumph der Venus“ (um 1722, aus Groß Schwülper übernommen).

Der Tafelsaal im 1. Obergeschoss besitzt eine ornamental bemalte Holzvertäfelung und nach dem Brand 1982 erneuerte barocke Deckenmalerei. Weitere Räume enthalten Intarsienarbeiten (1725, 1738) und Stuck- sowie Kaminrahmungen von G. Perinetti. Im Nordflügel befinden sich zweischiffige kreuzgratgewölbte Kellerräume.

Die museale Ausstattung zeigt Möbel, Wandteppiche, Plastiken und Gemälde aus Schloss Wolfenbüttel sowie dem Lustschloss Salzdahlum sowie aus ehemaligen herzoglichen Sammlungen. Der Schlossplatz, einst dicht bebaut, wurde 1643/44 freigelegt und 2018-2019 neugestaltet. An ihn schließen sich Bauten für Hofbedienstete und repräsentative Anlagen an.

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