St. Martinikirche
Braunschweig, Niedersachsen
St. Martini war die Hauptpfarrkirche im Weichbild Altstadt, dem größten und wohlhabendsten mittelalterlichen Stadtteil Braunschweigs. Dank der finanziellen Mittel der Bürgerschaft konnte ein aufwändiger und reich ausgestatteter Kirchenbau errichtet werden. Das städtebauliche Ensemble aus Martinikirche, Altstadtrathaus und Marktbrunnen gehört noch heute zu den prächtigsten Stadtbildern des späten Mittelalters.
Geschichte und frühe Bauphase
Die erste urkundliche Erwähnung von St. Martini stammt aus dem Jahr 1204, als Otto IV. die Pfarrrechte an die Altstadt übertrug – noch vor der offiziellen Stadtrechtsverleihung 1227 durch Herzog Otto das Kind. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau der Kirche bereits begonnen, und die Ostteile waren vermutlich schon in Nutzung.
Das spätromanische Bauwerk, einschließlich der Doppelturmfront, wurde bis etwa 1230 vollendet. Damit besitzt St. Martini den einzigen vollständig realisierten Westbau einer mittelalterlichen Kirche in Braunschweig. Der Kernbau orientierte sich stark an der Domkirche St. Blasius und diente als Vorbild für St. Katharinen und St. Andreas.
Architektur des Ursprungsbaus
Die ursprüngliche Anlage war eine kreuzförmige, dreischiffige Pfeilerbasilika mit vollständiger Einwölbung. Chor und Querhaus waren mit Apsiden versehen, sodass sich eine Ostansicht ähnlich der Stiftskirche ergab. Im Langhaus entspricht jede Gewölbeeinheit im Mittelschiff zwei Seitenschiffsjochen, wodurch ein Stützenwechsel von kreuzförmigen und quadratischen Pfeilern entstand.
Die Kreuzgratgewölbe über Mittelschiff, Querhaus und Chorjoch sind noch heute gut ablesbar. Die Pfeiler tragen charakteristische Kantensäulchen, die das Mittelschiffgewölbe stützen.
Westbau und Türme
Der Westbau besitzt das Hauptportal, ein gestuftes Säulenportal. Der mächtige, riegelartige Unterbau reicht bis zum First des Langhausdaches. Glatte Wandflächen und kleine Rundbogenfenster betonen die wuchtige Erscheinung. Oberhalb des Eingangsgewölbes befindet sich eine Empore, die früher drei Bogenöffnungen zum Mittelschiff hatte.
Über dem Westbau erheben sich die beiden Achtecktürme mit Biforienfenstern, deren spitze Turmhelme aus dem Spätmittelalter stammen und nach Kriegszerstörungen 1980 wiederhergestellt wurden. Zwischen den Türmen liegt die Glockenstube mit Satteldach.
Umbau zur Hallenkirche
Ab etwa 1250 begann der Umbau des Langhauses zur Hallenkirche. Die alten Seitenschiffe wurden abgebrochen und neu in Breite und Höhe des Mittelschiffs errichtet. Neue Außenmauern, Strebepfeiler, spitzbogige Maßwerkfenster und Kreuzrippengewölbe prägen die gotische Erweiterung. Über breiten Gurtbögen wurden die Obergeschosse (Obergaden) abgefangen. Die alten Zwischenpfeiler wurden nach Freistellung der Hauptpfeiler wiederverwendet.
Der Umbau griff später auch auf den Chorbereich über, wo ein weiteres gotisches Chorjoch mit geradem Ostabschluss entstand. In den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts folgten Chorseitenschiffe und Umgestaltung der Giebelfronten an den ehemaligen Querarmen.
Chor, Giebel und Annenkapelle
Um 1400 erhielt die Kirche eine fünfseitig gebrochene Chorapsis (Chorpolygon). Die Giebelaufsätze stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Annenkapelle (gestiftet 1434) wurde an ein Seitenschiffsjoch der Südfassade angesetzt, erhielt ein fünfseitiges Chorpolygon, Sterngewölbe und reichhaltigen Figurenschmuck.
Ausstattung
Zur mittelalterlichen Ausstattung gehört das wertvolle Bronzetaufbecken (1441) in der Annenkapelle. Aus der späten Renaissance stammen Taufgitter, Baldachin, zahlreiche Epitaphe und die prächtige Kanzel. Typisch für die protestantische Kirchenausstattung ist die Empore im Südseitenschiff.
Der Orgelprospekt (um 1630) zeigt bereits barocke Formen. Der Barockaltar (1722–1725) von Detlev Jenner stellt das Abendmahl und die Kreuzigung dar.
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Sándor Kotyrba
Sándor Kotyrba