St. Andreaskirche

Braunschweig, Niedersachsen

St. Andreas ist eine bedeutende evangelische Pfarrkirche im Braunschweiger Stadtteil Neustadt. Sie prägt den Wollmarkt/Alte Waage, einen einzigartigen mittelalterlichen Straßenmarkt, und ist ein herausragendes Beispiel norddeutscher spätgotischer Baukunst.

Historischer Hintergrund

Grabungen im Jahr 1897 zeigten, dass die heutige Kirche auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus steht, der als einfache Dorfkirche mit rechteckigem Westbau, einschiffigem Kirchenschiff und quadratischem Chor mit Apsis errichtet wurde.

  • 1232: Erste urkundliche Erwähnung der Neustadt, Beginn des heutigen Kirchenbaus.
  • 1250: Vorläufige Fertigstellung der dreischiffigen, kreuzförmigen Basilika.

Der Bau orientierte sich am Vorbild von St. Martini und St. Katharinen, jedoch in deutlich schlichterer Form:

  • Kreuz- und Quadratpfeiler ohne Kantensäulchen
  • Schlichteres, kantigeres Raumbild
  • Querhausportale mit frühgotischen Dekorationen

Westbau und Turmfront

Der monumentale Westbau war Ausgangspunkt für die Umwandlung zur Hallenkirche:

  • Unterbau aus rötlichem Rogenstein, wuchtig und ungegliedert
  • Gotisches Westportal mit Säulen und Blattkapitellen, Rundfenster über dem Eingang
  • Viertes, kürzeres Langhausjoch als Anschluss an das bestehende Kirchenschiff
  • Ausbau der Hallenkirche bis ca. 1335

Hallenkirche und Chor

  • Siebenjochige Hallenkirche mit Langhaus und Chor
  • Erweiterung des Chores um ein Gewölbejoch (Altarweihe 1353)
  • Chorpolygon mit steilem Dach und Turmknauf, Innenstruktur durch Kielbögen gegliedert
  • Zwerch- und Jochgiebel im 15. Jahrhundert ergänzt
  • Südfassade mit Skulpturenschmuck: Anbetung der Könige, Flucht nach Ägypten, Kindermord von Bethlehem, Jesus im Tempel
  • Nord- und Ostseiten mit weiteren Reliefs: Andreas am Kreuz (1419), Propheten

Turmwerke

  • Westbau-Unterbau: Vollendet ca. 1360, Gesimsabschluss
  • Obergeschoss: Vorbereitung der Turmschäfte, prachtvolles Glockenhaus mit reichverziertem Maßwerk
  • Südturm (1518-1532, Spitze 1544) erreicht 122 m Höhe
  • Nordturm unvollendet, Barockhelm nach Wiederaufbau 1742, Gesamthöhe 94 m
  • Turmhelme und Kirche im Zweiten Weltkrieg zerstört, wiederaufgebaut 1955

Ausstattung

  • Durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind nur wenige originale Ausstattungsstücke erhalten
  • 1422: Fertigstellung der Liberei, einzigartiges freistehendes Backsteingebäude in Norddeutschland, Bauherr Heinrich von Lüneburg
  • St. Andreas ist ein herausragendes Zeugnis der spätgotischen Architektur Braunschweigs und prägt die Neustadt bis heute.

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