St. Aegidienkirche

Braunschweig, Niedersachsen

Luftbilder und Fotos der Katholischen Pfarrkirche und des Kloster St. Aegidien in Braunschweig von innen und außen mit der Hallenkirche und dem Kreuzgang. St. Aegidien liegt südlich der Burg und des alten Okerübergangs zwischen Kohlmarkt und Magnikirche auf einer leichten Anhöhe über der ehemaligen Okerniederung.

Gründung und Kloster

  • 1115: Gründung des Benediktinerklosters durch Markgräfin Gertrud von Sachsen
  • Ursprüngliche Weihe: Gottesmutter Maria, im 12. Jahrhundert Hauptpatron: Hl. Aegidius
  • Ab 1200: Verehrung des Hl. Autor (Stadtpatron Braunschweig)
  • Erste Klosterkirche: dreischiffige romanische Basilika mit flachen Decken, Fläche entspricht dem heutigen Hallenlanghaus
  • Klausurgebäude im Süden, Ostflügel 2. Hälfte 12. Jh. erhalten

Neubau nach Brand 1278

  • 1278: Brand übergriff von der Altewiek auf das Kloster
  • 1282: Neubau einer gotischen Benediktinerkirche, Ostteile und Querhaus begonnen
  • Hochchor: nach Basilikalschema, Langhaus: Planwechsel → Hallenkirche
  • Gewölbe Querhaus, östliche Langhausjoche und Westteilfundamente bis ca. 1325 errichtet, dann Bauunterbrechung
  • Geplanter breiter Westbau mit hohen Türmen
  • 1409: Fortsetzung des Westbaus, westliche Hallenjoche bis ca. 1440
  • 1478: Schlussweihe des Kirchenraums, Westbau nur fragmentarisch vollendet (Nordturm kaum über Kirchenschiff)
  • 1817: Abbruch des unvollendeten Westbaus

Nutzungsgeschichte

  • 1529: Reformation → Pfarrkirche
  • 18. Jahrhundert: Garnisonskirche
  • 1811: Profanierung → Festhalle
  • 1906–1945: Teil des „Vaterländischen Museums“
  • seit 1948: katholische Pfarrkirche

Architektur und Hallenkirche

  • Ostflügel des Chors als Basilika: hohes Mittelschiff, niedrige, schmale Seitenschiffe
  • Hochchor mit fünfseitigem Chorpolygon, Umgangschor einmalig in Braunschweig
  • Strebepfeiler innenliegend, längsrechteckige Kapellen flankieren den Chorumgang
  • Chorumgang: Kreuzgratgewölbe, Hochchor: Kreuzrippengewölbe
  • Spitzbogenarkaden Hauptchor ↔ Seitenschiffe auf Rundpfeilern mit Diensten
  • Chorwände: Arkade → Triforium → Obergadenfenster (französische Kathedralarchitektur)
  • Querhaus überragt Chor- und Langhausaußenwände, Nordfassade als Schaufassade mit
  • Querhausportal und balkonartigem Austritt (Reliquienpräsentation)
  • Langhaus: Hallenraum mit drei gleich hohen Kirchenschiffen, Kreuzrippengewölbe auf Bündelpfeilern
  • Traufzonen mit stadtseitigen Zwerch- bzw. Jochgiebeln, Blendmaßwerk an Nordfassade

Erhaltener Klosterbereich

  • Ostflügel: Sakristei, Kapitelsaal, Parlatorium, Kalefaktorium (2. Hälfte 12. Jh.) → älteste erhaltene Bausubstanz Braunschweigs
  • Nordflügel Kreuzgang: frühes 15. Jh.
  • Paulinerchor (1905/06) anstelle des Südflügels
  • Obergeschoss Dormitorium restauriert mit Bauteilen der Paulinerkirche

Dachwerk

  • Fast 20 m hohes spätmittelalterliches Dachwerk über Hallenkirche und Querhaus erhalten
  • Einheitliche Konstruktion vom Westgiebel bis Choransatz → Errichtung um 1478
  • Aufbau: Wandkonstruktionen über Pfeilerachsen, 39 Sparrenachsen, Kehlbalkenlage, Kopfbänder,
  • Fachwerkverstrebungen, kreuzförmige Verstrebungen
  • Großteil der Substanz noch erhalten, zahlreiche Reparaturen im 20. Jh.
  • Herausragendes Zeugnis mittelalterlicher Zimmermannskunst („hölzerne Kathedrale“)

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