Schloss Wolfsburg

Wolfsburg, Niedersachsen

Schloss Wolfsburg zählt zu den bedeutendsten und größten Renaissanceschlössern Niedersachsens und fungierte zugleich als Namensgeber der heutigen Stadt Wolfsburg. Das Bauensemble, bestehend aus Hauptgebäude, Nebengebäuden und weitläufigen Parkanlagen, steht in einem reizvollen Spannungsverhältnis zur modernen Stadtstruktur. Das heutige Schloss geht auf eine mittelalterliche Niederungsburg zurück, die erstmals 1302 als Besitz der Adelsfamilie von Bartensleben urkundlich erwähnt wurde. Das Wappentier dieses bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgbaren Ministerialengeschlechts war ein springender Wolf, der später auch zum heraldischen Bezugspunkt der Stadt wurde.

Ab 1574 ließ Hans von Bartensleben, genannt „der Reiche“, die bestehende Wasserburg zu einem repräsentativen Renaissanceschloss ausbauen. Nach seinem Tod im Jahr 1583 führten Jakob sowie seine Neffen Günzel und Günther von Bartensleben die Bauarbeiten fort. Bis etwa 1620 entstand eine geschlossene Vierflügelanlage, die als Inbegriff des idealtypischen Schlossbaus jener Epoche gelten kann. Mit dem Aussterben der Familie von Bartensleben im Jahr 1742 ging der Besitz durch Erbfolge an die weitverzweigte Familie von der Schulenburg über.

Unter Gebhard Werner von der Schulenburg wurde um 1750 im Norden des Schlosses ein kleiner Barockgarten angelegt, dem später die Gestaltung eines großzügigen Landschaftsparks im Osten und Süden des Areals folgte. Im Jahr 1942 veräußerte Günter Graf von der Schulenburg das Schloss an die neu gegründete „Stadt des KdF-Wagens“, nachdem große Teile seines Grundbesitzes für den Bau des Volkswagenwerks enteignet worden waren. Nach einer Phase staatlichen Eigentums befindet sich das Schloss seit 1961 im Besitz der Stadt Wolfsburg. Heute dient es musealen und kulturellen Zwecken.

Der mittelalterliche Kern der Anlage ist im nördlichen Ende des Westflügels durch den Bergfried erhalten geblieben, der sich durch seine weitgehend geschlossenen Wandflächen auszeichnet. Innerhalb der in der Renaissance errichteten viergeschossigen Bauteile dominiert der mächtige Ostflügel. Er ist durch horizontale Gesimse streng gegliedert und wird an den Schmalseiten von Schweif- bzw. Volutengiebeln abgeschlossen. Die östliche Fassade zeigt zwei über den Enden angeordnete Zwerchgiebel. Besonders aufwendig ist die nördliche Giebelfront gestaltet: Gekuppelte Fenster mit rustizierten Rahmungen werden hier von giebelförmig angeordneten, kräftigen Keilsteinen überfangen. Auffällig sind zudem die an den Giebeln übereck verlaufenden Kragsteine, die ehemals Laufgänge trugen und weite Ausblicke in die umgebende Landschaft ermöglichten. Die Freitreppe an der Ostfassade wurde 1870 hinzugefügt, nachdem der Schlossgraben zugeschüttet worden war.

Auch der Süd- und der Nordflügel weisen gekuppelte Rechteckfenster sowie Zwerchhäuser mit Volutengiebeln auf. Sie sind etwas niedriger als der Ostflügel und zeigen, abgesehen von den Giebelzonen, keine Gesimsgliederung. In den Südflügel wurde ältere Bausubstanz integriert. Der Nordflügel beherbergt das Hauptportal und die Hofdurchfahrt. Das imposante Rundbogenportal, flankiert von Wächterfiguren, wird von einem reich gestalteten Gebälk überfangen. Neben dem Hauptportal befindet sich eine kleinere Fußgängerpforte.

Der rechteckige Innenhof wird durch drei Treppentürme geprägt. In den südlichen Hofecken befinden sich achteckige Treppenaufgänge, während in der nordöstlichen Ecke ein quadratischer Turm mit geschweifter Dachhaube aufragt, der den Hofeingang flankiert und die Fernwirkung des Schlosses maßgeblich bestimmt. An der Südseite dieses Turms sind heute vermauerte Bogenportale sichtbar, die einst in offene Laubengänge vor dem Ostflügel führten. Reste der Gewölbeansätze zeugen noch von deren Existenz. Die ehemals rundbogigen Laubengänge dürften dem Innenhof ein ausgesprochen repräsentatives Gepräge verliehen haben. Über dem Hofportal belebt ein dreigeschossiger, auf das Jahr 1598 datierter Erker die Fassade; darüber erhebt sich ein großer Zwerchgiebel. Gemeinsam bilden Giebel, Erker und Portal eine strenge Symmetrieachse.

Dem großen Treppenturm im Nordosten steht in der nordwestlichen Hofecke der mittelalterliche Bergfried gegenüber. An diesen schließt der lediglich dreigeschossige, schmucklose Westflügel an, der 1838 neu errichtet wurde, wie eine entsprechende Bauinschrift belegt.

Die repräsentativsten Räume befinden sich im Ostflügel. Das Erdgeschoss beherbergt eine zweischiffige Gewölbehalle mit toskanischen Säulen. Nördlich daran schließt sich die ehemalige Hofstube mit einem flach gespannten Sterngewölbe an – ein bemerkenswertes Beispiel für das Fortleben gotischer Formelemente in der nördlich der Alpen entstandenen Renaissancearchitektur. Am südlichen Ende der Halle lag einst die Amtsstube mit Gerichtslaube. Darüber befindet sich der Jagdsaal mit außergewöhnlichen Stuckverzierungen aus der Zeit um 1600, die zu den seltenen Zeugnissen dekorativer Innenraumgestaltung dieser Epoche in Norddeutschland zählen.

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