Rittergut Lucklum
Landkreis Wolfenbüttel, Niedersachsen
Eine Allee mit vier Baumreihen weist bereits aus der Ferne auf die ehemalige Kommende des Deutschen Ordens in Lucklum hin. Die heute erhaltenen Gebäude bilden ein für die Region einzigartiges Kulturdenkmal. Ältester Bestandteil der Anlage ist die Ordenskirche St. Maria, deren Kernbau aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt. Sie befindet sich in der nordwestlichen Ecke einer geschlossenen Hofbebauung, die in späteren Jahrhunderten ergänzt wurde. Erste urkundliche Erwähnungen der Lucklumer Kirche datieren bereits auf das Jahr 1051.
1263 gelangte die Kirche in den Besitz des Deutschen Ordens, der seinen Verwaltungssitz schließlich 1275 von der Elmsburg (seit 1213) nach Lucklum verlegte. Zur Kommende gehörten weitläufige Ländereien, die die wirtschaftliche Grundlage der Niederlassung bildeten. Der 1198 gegründete Deutsche Orden war einer der Ritterorden, die im Zuge der Kreuzzüge im Heiligen Land entstanden und ursprünglich verwundete sowie erkrankte Kreuzfahrer betreuten. Nach dem Niedergang der Kreuzfahrerstaaten verlagerte der Orden im 13. Jahrhundert seinen Schwerpunkt auf die Christianisierung der im Baltikum und im späteren Ostpreußen lebenden Pruzzen. Aus den jahrzehntelangen Eroberungszügen entstand der Ordensstaat. Im gesamten Heiligen Römischen Reich wurden Ordenskommenden als wirtschaftliche und administrative Zentren eingerichtet, so auch in Lucklum, das zum Verwaltungssitz der Ordensprovinz (Ballei) Sachsen avancierte. Zahlreiche Angehörige des örtlichen Adels traten dem Orden bei, viele von ihnen wurden Landkomtur der Kommende. 1547 erfolgte die Einführung der Reformation, und 1809 wurde der Orden aufgelöst. Seitdem gehört die ehemalige Kommende zu einem großen Gutshof, die historischen Gebäude werden heute auch für kulturelle Zwecke genutzt.
Prägender Bestandteil der Ordenskirche ist der spätromanische Westbau aus dem 12. Jahrhundert. Er blieb im Mittelalter unvollendet und wird von einem barocken Dachreiter aus dem Jahr 1714 bekrönt. Die romanische Kirche hatte ursprünglich die Gestalt einer großen Dorfkirche mit einschiffigem Langhaus, quadratischem Chor und Altarnischen (Apsiden); Chor und Apsiden sind heute nicht mehr vorhanden, ihre Ansätze sind jedoch noch erkennbar. Während die Nordfassade über den barocken Rundfenstern noch Spuren der romanischen Fensteröffnungen zeigt, wurde die Südfassade mehrfach umgestaltet. Neben den Rechteckfenstern des 17. und 18. Jahrhunderts ist der Umriss eines Spitzbogenfensters erkennbar. Die Kirchenausstattung stammt weitgehend aus nachreformatorischer Zeit, darunter eine Holzkassettendecke (1694), Emporen und Grabdenkmäler von Landkomturen.
Das ehemalige Wohn- und Verwaltungsgebäude der Kommende bildet zusammen mit der Ordenskirche einen geschlossenen Hof, dessen Grundriss in kleinerem Maßstab an die großen Ordensburgen in West- und Ostpreußen erinnert. Die Hofbebauung fußt auf mittelalterlicher Substanz, wurde im 18. Jahrhundert jedoch einheitlich barock umgestaltet. Ein repräsentativer Raum ist der im Südflügel gelegene Rittersaal mit spätbarocker Stuckdecke (1737/38) und Gemälden, die Komture, Ordensbrüder und die Herzöge von Braunschweig darstellen. In den westlich anschließenden Herzogszimmern ist eine Ausstattung aus der Zeit des Frühklassizismus (Ende 18. Jahrhundert) erhalten.
Abgerundet wird der Gebäudekomplex durch umfangreiche Wirtschaftsgebäude, die überwiegend im 19. Jahrhundert entstanden. Eine um 1600 errichtete Bruchsteinmauer umschließt die ehemalige Kommende weitläufig und integriert den nach 1874 angelegten Landschaftspark in seiner heutigen Form.
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Sándor Kotyrba