Kloster Walkenried
Steinweg 4A, Walkenried, Landkreis Göttingen, Niedersachsen
Das Kloster Walkenried gehört zu den bedeutendsten und frühesten Zisterzienserniederlassungen im deutschen Sprachraum. Seine Gründungsgeschichte ist nicht vollständig geklärt: Wohl 1129 nach spätmittelalterlicher Ordenstradition von Volkmar von Thüringen und seiner Gemahlin Adelheid gestiftet, wurde es von Altenkamp am Niederrhein aus besiedelt. Die Bestätigung durch König Lothar folgte 1132, durch Papst Innozenz II. 1137. Walkenried wurde seinerseits Mutterkloster von Schulpforta südwestlich von Naumburg und Sittichenbach bei Eisleben, beide 1141 gegründet. In den welfisch-staufischen Auseinandersetzungen lavierte das Kloster zunächst auf staufischer Seite, schwenkte jedoch 1208 um; diese reichspolitischen Aktivitäten entfaltete Walkenried unter Abt Heidenreich, dem späteren Abt von Morimond.
Am Ende des 13. Jahrhunderts war der Konvent mit 80 Mönchen und 180 Laienbrüdern besetzt und durch den Besitz von Gruben und Hüttenwerken im Harzer Bergbau zu einem der mächtigsten Klöster Norddeutschlands geworden. Im ausgehenden Mittelalter setzte der Niedergang ein. Im Bauernkrieg wurde das Kloster geplündert; mit dem Abriss des Dachreiters 1525 durch aufständische Bauern begann der bauliche Verfall der Kirche. 1546 traten die verbliebenen Mönche der Reformation bei; 1648 wurde der evangelische Konvent aufgehoben. Seit 1593 gehörte Walkenried zu Braunschweig.
Baugeschichte
Von dem romanischen Gründungsbau, durch Grabungen von 1978 bis 1983 erschlossen, sind die südlichen und östlichen Partien rekonstruierbar: eine ca. 50 Meter lange, wohl ungewölbte Basilika mit Querhaus, quadratischer Vierung und gestaffelter Ostanlage aus Chorquadrat mit leicht eingezogener Hauptapsis, rechteckigen Nebenchören und kleinen Apsiden an den Querarmen. Noch am Ende des 12. Jahrhunderts wurden südlich des Hauptchors zwei gleichlange, zweijochig gewölbte Nebenchöre mit Apsiden angebaut. Der vollständige gotische Neubau wurde vermutlich um 1209/10 von Osten her begonnen und wohl zunächst durch Otto IV. gefördert. 1253 ist eine Beurkundung vor dem Marienaltar der neuen Klosterkirche belegt, als Chor und Querhaus bereits fertiggestellt waren; die Schlussweihe folgte 1290. Im dritten Drittel des 14. Jahrhunderts wurde das Chorpolygon umgebaut und in seiner heutigen Form hinzugefügt.
Durch Auslaugen der Fundamente und die mutwillige Zerstörung des Dachreiters, der die Vierungsgewölbe durchschlug, verfiel die Kirche im 16. Jahrhundert; seit 1570 fanden Gottesdienste im Kapitelsaal statt. Bis 1817 diente die Ruine als Steinbruch. Nach Teileinsturz des Chorpolygons 1902 und Grabungen 1913/14 wurde 1972 auf baupolizeiliche Anordnung eine unsachgemäße Niederlegung bis in halbe Fensterhöhe vorgenommen. Von 1978 bis 1983 folgten klärende Grabungen und Sicherung der Kirchenruine; von 1986 bis 1989 wurden die südliche Wand des Sanktuariums und das gotische Chorpolygon abgetragen und wiederaufgebaut.
Lage: Am Kloster 1, Walkenried
51,58310° N, 10,61930°
Bauzeit: Gründung wohl 1129; romanischer Erstbau bis ca. 1200; gotischer Kirchenneubau ca. 1209-1290; Chorpolygon drittes Drittel 14. Jahrhundert; Kreuzgang und Klausur Ende 13. bis Mitte 14. Jahrhundert; Mönchsrefektorium 1326
Baustil: Übergangsstil und Frühgotik
Bauherr: Volkmar von Thüringen und Adelheid (Stifter); Zisterzienserkonvent
Material: Dolomit in Quaderbauweise
Gebäudestruktur: Ruine einer kreuzförmigen dreischiffigen Basilika mit fünfschiffigem Sanktuarium; erhaltene Klausur mit zweischiffigem Kreuzgang, Kapitelsaal (heute Gemeindekirche), Brüdersaal, Kalefaktorium und Refektorium
Besonderheit: Früheste Zisterzienserniederlassung im Harz; Mutterkloster von Schulpforta und Sittichenbach; zweischiffiger Kreuzgang als seltener Typus; Pionierrolle im mittelalterlichen Harzer Bergbau
Heutige Nutzung: Ruinenanlage und Museum Kloster Walkenried; Kapitelsaal als evangelische Gemeindekirche

Westfassade
südliches Querhaus
Grundriss ehemalige Klosterkirche
Chor
Doppelschiffiger Kreuzgang
Kapitelsaal
Parlatorium
Brüdersaal
Dormitorium
Brunnenhaus
Abtei
Refektorium
Luftbild der Gesamtanlage
Reste der ehemaligen Klosterkirche mit Querhaus und Langhaus
Reste der Westfassade mit Modell des Klosters zur Blütezeit im 12. Jahrhunderts
Reste des Chors und des südlichen Querhaus der Klosterkirche in Walkenried.
Außenansicht vom Kapitelsaal und des Parlatorium aus Richtung Osten.
Zweischiffiger Kreuzgang mit Kreuzrippengewölbe und Maßwerkfenster im Kloster Walkenried.
Westliches Schiff im doppelschiffigen Kreuzgang
Gewölbe im doppelschiffigen Kreuzgang mit Kreuzrippengewölbe
Kreuzrippengewölbe mit Schlusssteinen im Kreuzgang im ehemaligen Zisterzienserkloster Walkenried
Detail der Kapitelle und der Maßwerkfenster im doppelten Kreuzgang im Kloster Walkenried.
Kapitelle im doppelschiffigen Kreuzgang im Kloster Walkenried aus Richtung Osten.
Säulen im doppelten Kreuzgang im Kloster Walkenried.
Floraler Schmuck an einem Kapitell im Kreuzgang
Innenansicht des Kapitelsaal mit Altar und Kanzel.
Ausstellung mit den Resten der Altarplatte und dem Chorgestühl im Kloster Walkenried.















Sándor Kotyrba
Sándor Kotyrba