Kaiserdom St. Peter und Paul
Königslutter, Landkreis Helmstedt, Niedersachsen
Die ehemalige Benediktiner-Klosterkirche zu Königslutter zählt zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmälern Deutschlands und stellt zugleich den herausragenden Schlüsselbau der romanischen Architektur im sächsisch-norddeutschen Raum dar. Das Gotteshaus, das Kaiser Lothar III. und seine Gemahlin Richenza 1135 als Grablege und Krongut gestiftet haben, verbindet in einzigartiger Weise die repräsentativen Ansprüche einer kaiserlichen Memorialkirche mit den technischen und künstlerischen Innovationen, die durch norditalienische Steinmetze nach Norddeutschland vermittelt wurden. Die unmittelbare Anlehnung der Bauplastik an Werke aus dem Umkreis des Meisters Nikolaus von Verona — vergleichbar mit Sakralbauten in Ferrara, Verona und Piacenza — macht Königslutter zum einzigen norddeutschen Bau, an dem die direkte Rezeption der oberitalienischen Romanik greifbar wird.
Als dreischiffige Pfeilerbasilika mit sächsischem Westriegel, gewölbtem Ostbau, Querhaus, Vierungsturm und dreischiffigem basilikalen Chor gehört die Kirche dem verbreiteten Typus der romanischen Pfeilerbasilika an, übertrifft aber durch ihre architektonische Durchformung und die Qualität ihrer Bauplastik sämtliche zeitgenössischen Bauwerke der Region. Die Baugeschichte spiegelt in ihrer Zweiphasigkeit die politischen und dynastischen Einschnitte wider: ein ehrgeiziger erster Entwurf unter kaiserlicher Schirmherrschaft, der die gesamte Kirche als vollständig gewölbten Bau konzipierte, wurde nach dem Tod Lothars und Richenzas durch eine schlichtere Variante mit flachgedecktem Langhaus abgelöst. Diese sichtbare Spannung zwischen einem reich dekorierten Ostbau und einem nüchternen Langhaus ist das architektonische Charakteristikum von Königslutter und macht das Bauwerk zum anschaulichen Dokument mittelalterlicher Planungs- und Baugeschichte.
Die von der Königslutter-Bauplastik ausgegangene Vorbildwirkung — die sogenannte „Königslutter-Schule“ — lässt sich bis weit in die zweite Hälfte des 12. und in das frühe 13. Jahrhundert verfolgen und belegt die überregionale Ausstrahlungskraft dieses Bauwerks für die Entwicklung der romanischen Architektur in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus.
Baugeschichte
Am 31. Juli 1135 legte Kaiser Lothar III. in Gegenwart seiner Gemahlin Richenza den Grundstein zur Klosterkirche, die anstelle eines älteren Kanonikerstifts errichtet werden sollte. Das Stift hatte seinen Ursprung in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts; unmittelbar vor der Klostergründung durch Lothar bestand hier außerdem ein Augustinerinnenstift. Lothar, der die Kirche als seine persönliche Grablege bestimmte, ließ für den Bau eine Gruppe von Steinmetzen aus Oberitalien anwerben — vermutlich während seines Italienzuges 1132/33. Diese Werkstatt, die in der Forschung mit dem Meister Nikolaus von Verona in Verbindung gebracht wird, übertrug die reiche skulpturale Formensprache der norditalienischen Romanik unmittelbar nach Norddeutschland.
Bereits zwei Jahre nach der Grundsteinlegung starb Kaiser Lothar III. (31. Dezember 1137) und wurde in der noch unvollendeten Kirche bestattet. Archäologische Untersuchungen von 1978 ergaben, dass die Beisetzung zunächst unter einer provisorischen Überdachung erfolgte. Ihm folgten sein Schwiegersohn Herzog Heinrich der Stolze (1139) und schließlich Richenza (1141) in die Grablege. Der Tod der kaiserlichen Stifter markiert einen deutlich erkennbaren Einschnitt in der Baugeschichte, der durch den Befund zweier voneinander unterscheidbarer Planungs- und Bauphasen bestätigt wird.
Die erste Bauphase umfasst die gewölbten Ostteile — Querhaus, Vierungsjoch, Chor und Chorseitenschiffe — sowie erste Ansätze zu einem ebenfalls gewölbten Langhaus. Die architektonische Qualität dieser Partien ist außerordentlich: Es handelt sich um die ersten Gewölbekonstruktionen dieses Ausmaßes in Norddeutschland. Mit der zweiten Bauphase wurde das ursprüngliche, ambitionierte Langhausprojekt aufgegeben und durch eine flachgedeckte, in der Formensprache erheblich schlichtere dreischiffige Pfeilerbasilika ersetzt. Dass die bereits fertiggestellten Dienstvorlagen und Schildgurtansätze des ersten Langhausprojekts an den westlichen Vierungspfeilern noch heute sichtbar sind, macht den Planwechsel im Stein ablesbar. Das Nordportal des Langhauses mit seinem reichen Löwenportaldekor dürfte ebenfalls zur ersten Phase gehören und bei Ausführung des Langhauses eingefügt worden sein.
In der Spätgotik, unter Abt Heinrich Wyting (1431–1460), wurden die niedrigen Achtecktürme des Westriegels aufgeführt — sie blieben ohne ihre ursprünglich geplante Vollendung. Im 15. Jahrhundert wurden Mittelschiff und Seitenschiffe im Langhaus eingewölbt. Der oktogonale Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert erhielt in dieser Periode sein Traufgesims mit figürlichem Rundbogenfries und den Spitzhelm. Nachdem 1542 die Reformation in Königslutter eingeführt worden war, kam es im Dreißigjährigen Krieg zu wiederholten Beschädigungen; das eingestürzte Mittelschiffgewölbe konnte erst 1690–95 erneuert werden. Die umfassende Restaurierung von 1887–94 prägt bis heute maßgeblich den Eindruck des Innenraums: Die farbige Ausmalung entstand nach Entwürfen des Nürnberger Architekten August von Essenwein und wurde durch den Maler Adolf Quensen ausgeführt, wobei mittelalterliche Befunde berücksichtigt wurden. Weitere Restaurierungskampagnen fanden 1835, 1953–56 sowie 1978–80 statt; zuletzt wurde die Außenhaut abgestrahlt und die Ausmalung des 19. Jahrhunderts im Inneren konserviert.
Außenbau
Der Außenbau ist in großquadrigem, äußerst sorgfältig bearbeitetem Elmkalksteinmauerwerk errichtet und vermittelt einen Eindruck ruhiger tektonischer Klarheit. Im Westen beherrscht ein mächtiger, schmuckloser Kubus — der sächsische Westriegel — die Ansicht. Das vermauerte Westportal ist nachmittelalterlich; die untersetzt wirkenden Achtecktürme mit ihren steilen Zeltdächern entstanden erst unter Abt Wyting (1431–1460) und wurden nicht abschließend vollendet. Das Langhaus fügt sich in seiner gliederungslosen Strenge organisch in den Westriegel; lediglich am Obergaden belebt ein abgetreppter Rundbogenfries die sonst glatte Wandfläche.
Zur ersten Bauphase gehört das bemerkenswerte Portal am nördlichen Seitenschiff: ein kleeblattbogig überfangenes Säulenportal mit überaus reich dekorierten Säulenschäften, die von wandparallelen Löwenfiguren getragen werden, sowie charakteristischen Palmettenfächerkapitellen. Diese Löwenportale haben ihr Vorbild in der oberitalienischen Romanik und stellen in Norddeutschland ein singuläres Motiv dar. Das Portal wurde im 19. Jahrhundert vollständig erneuert; die originalen Löwenfiguren befinden sich heute im südlichen Seitenschiff. Auch das Portal des nördlichen Querarms ist erneuert.
Die Ostpartie bildet den unbestrittenen gestalterischen Höhepunkt des Außenbaus. Vier Nebenapsiden an den Querarmen und Chorseitenräumen umgeben die zweigeschossig aufgebaute Hauptapsis und erzeugen jene fein abgestufte, skulptural reiche Ostansicht, die zu den eindrucksvollsten romanischen Baukompositionen Norddeutschlands zählt. Im Untergeschoss der Hauptapsis ruht ein Rundbogenfries auf Pilastern mit korinthisierenden Kapitellen und figürlichen Konsolen; in die Bögen ist der berühmte Jagdfries eingetieft, der im Wechsel mit Rosetten ornamentiert ist. Über diesem Fries verläuft eine lateinische Inschrift in spiegelverkehrten Buchstaben: hoc opus eximium vario celamine mirum sc(ulpsit) — eine verschlüsselte Meisterinschrift, die vor dem zu erwartenden Meisternamen abbricht und als Signatur des Nikolaus von Verona gedeutet wird. Den oberen Abschluss des Untergeschosses bilden ein wellig profilierter Akanthuskranz und ein Perlstab. Das Obergeschoss — im 19. Jahrhundert teilweise überarbeitet — variiert über einem glatten Sockelstreifen das Gliederungssystem der unteren Zone und schließt mit großen Rundbogenfenstern mit reich profilierten Laibungen. Der oktogonale Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert zeigt unter dem Ansatz des steilen Zeltdaches einen Rundbogenfries um 1440/50 mit Rosetten und Halbfiguren — Christus und Maria als Kirchenpatrone, Evangelisten, Kirchenväter, Heilige sowie das kaiserliche Stifterpaar —, der formal auf den Apsisfries der ersten Bauphase Bezug nimmt.
Innen
Der Innenraum gliedert sich in zwei deutlich verschiedene Zonen, die den Planwechsel der Baugeschichte architektonisch manifest machen: den reich ausgeformten, gewölbten Ostbau einerseits und das schlichte, ursprünglich flachgedeckte Langhaus andererseits.
Im gewölbten Ostbau — Querhaus, Vierungsjoch, Chor und Chorseitenschiffe — entfaltet sich ein harmonisch-monumentaler Raumeindruck. Die Kreuzgratgewölbe werden von kräftigen Schildgurten eingefasst, die in den Raumecken von schlanken Eckdiensten aufgenommen werden; Schild- und Gurtbögen folgen dem Halbkreis, die Grate sind leicht gedrückt. Die gestuften Doppelarkaden, welche Hauptchor und Nebenchöre miteinander verbinden, ruhen auf gedrungenen Mittelsäulen mit überaus qualitätvollen großen Kapitellen, deren Blattwerk mit Menschen- und Tierköpfen durchsetzt ist. Die Dienstkapitelle zeigen meist feingliedrige korinthisierende Gestalt. In der Stirnmauer des südlichen Querarms findet sich ein romanischer Treppenaufgang. Die breiter ansetzenden Bogenanfänger der ersten Langhausarkaden an den westlichen Vierungspfeilern belegen die zeitliche Priorität des Ostbaus auch im konstruktiven Befund.
Das Langhaus mit seinen acht Pfeilerarkaden ist durch regelmäßig wechselnde Kämpferprofile leicht rhythmisiert. An den östlichen Seitenschiffjochen und an den westlichen Vierungspfeilern sind noch heute die Dienste und Schildgurtansätze des aufgegebenen ersten Langhausprojekts sichtbar — ein einzigartiges Bau-Palimpsest, das die Planungsgeschichte im Stein ablesbar macht. Das Arkadengesims ist mit einem Röllchenfries geschmückt. Im nördlichen Seitenschiff ist das zweite Joch von Westen, in das das Löwenportal führt, um 1230 durch ein Kreuzrippengewölbe über Säulen- beziehungsweise Rechteckvorlagen vorhallenartig ausgeschieden. Anstelle der ursprünglichen Flachdecke wurden im 15. Jahrhundert die Rippengewölbe der Seitenschiffe eingezogen; nach dem Einsturz von 1690 zog Johann Friedrich Wendt bis 1695 die bestehenden Gratgewölbe des Mittelschiffs ein — datiert am westlichen Schlussstein —, deren spitzbogige Bandgurte auf teigigen Maskenkonsolen abgekragt sind. Der Westbau öffnet sich in zwei Geschossen mit weiten Rundbögen zum Mittelschiff und verleiht dem Innern die charakteristische westliche Raumtiefe des sächsischen Westriegels.
Ausstattung
Die Ausmalung des Inneren wurde 1890–94 nach Entwürfen von August von Essenwein durch Adolf Quensen ausgeführt und 1978/80 konserviert. Durch ihre Farbgebung unterstreicht sie die architektonische Zäsur zwischen Langhaus und Ostteilen. Das Apsisprogramm geht auf eine Ausmalung des 13. Jahrhunderts zurück, die im 19. Jahrhundert aufgedeckt wurde: in der unteren Zone Draperie, im Fensterbereich vier stehende Heilige (Johannes der Täufer und drei nicht identifizierte Figuren), in der Kalotte der thronende Christus mit Evangelistensymbolen sowie den Kirchenpatronen Petrus und Paulus. Im Mittelraum des Westbaus haben sich spätgotische Wandmalereien des 15. Jahrhunderts erhalten, welche Madonna und Heilige von Ranken umschlossen zeigen; an zwei Langhauspfeilern finden sich Fragmente spätgotischer Apostelbilder.
Im Mittelschiff steht das Kaisergrabmal für Lothar III., Richenza und Heinrich den Stolzen, das 1708 von M. Helwig aus Helmstedt geschaffen wurde. Es trat an die Stelle der beim Einsturz der Mittelschiffgewölbe zerstörten frühgotischen Tumba aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, deren fragmentarische Überreste bei der archäologischen Untersuchung des Grabes geborgen und in eine wissenschaftliche Rekonstruktion einbezogen wurden. Die frühgotische Tumba wird als später Nachklang des Grabmals Heinrichs des Löwen im Braunschweiger Dom eingeordnet. Zu den weiteren bedeutenden Ausstattungsstücken zählt der steinerne Osterleuchter, der an das Ende des 12. Jahrhunderts, nach neuerer Forschung vielleicht schon gegen Mitte des 12. Jahrhunderts datiert (erste Bauphase): Er zeigt einen kreuzförmigen architektonischen Unterbau und eine gedrehte Säule mit Schaftring. Der Taufstein datiert von 1614; eine spätgotische Taufschale aus Messing mit Verkündigungsdarstellung stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Zu den barocken Epitaphen gehören jene für Stiftsamtmann J. G. Valdick (†1716), Pastor Bremer (†1713) und seine Gemahlin Maria Margaretha (†1717) sowie das Alabasterepitaph für Abt Johann Fabricius (†1729). Ein barockes Halbfigurenbild Kaiser Lothars (Öl auf Leinwand) ergänzt den Bestand. Im Pfarrhaus befindet sich ein romanischer Altarleuchter aus Bronze mit Bergkristallen.
Kreuzgang und ehemalige Konventsgebäude
An den südlichen Querarm schließt eine romanische, tonnengewölbte Sakristei an; ihr ebenfalls tonnengewölbtes Obergeschoss diente wohl als Klosterbibliothek — eine Anordnung, die an St. Godehard in Hildesheim erinnert. In der südlich anschließenden Mauer befinden sich zwei stark verwitterte romanische Reliefs: ein Tympanon mit der Halbfigur einer Heiligen (Maria?) und eine Kreuzigungsgruppe, die stilistisch im Zusammenhang mit der Apsisplastik stehen.
Vom Kreuzgang sind Nord- und Westflügel erhalten, im 19. Jahrhundert unter Verwendung alter Werkstücke neu aufgebaut und in Rundbögen mit eingestellten Arkaturen geöffnet. Der nördliche, direkt an die Kirche angelehnte Flügel ist zweischiffig mit gurtlosen Kreuzgratgewölben; seine reich dekorierten Säulen mit korinthisierenden Kapitellen und den charakteristischen Palmettenfächerkapitellen — mit ihrer schwellenden, plastisch-expressiven Wirkung — stellen ein Meisterwerk romanischer Steinmetzkunst dar. Die Gewölbefüße an den Schmalwänden werden von hockenden Trägerfiguren gestützt. Da der nördliche Kreuzgangflügel den Bau des Kirchenlanghauses voraussetzt, die Bauornamentik aber in engstem stilistischem Zusammenhang mit den älteren Ostteilen steht, ist anzunehmen, dass in der ersten Bauphase gefertigte Werkstücke nach Mitte des 12. Jahrhunderts hier versetzt wurden.
West- und geringe Reste des Südflügels bilden einen scharfen Kontrast zum Nordflügel: gegurtete Kreuzgratgewölbe und Halbsäulenvorlagen lassen auf eine Erneuerung am Ende des 13. Jahrhunderts schließen. Am Westflügel stößt ein quadratisches Brunnenhaus mit Kreuzgratwölbung aus dem 12. Jahrhundert in den ehemaligen Innenhof; das Obergeschoss ist gotisch. Ebenfalls am Westflügel liegt das nach außen anliegende, zweischiffige und vierjochige ehemalige Refektorium (heute Kapelle des Krankenhauses): dekorierte Säulenschäfte in der Nachfolge des Nordflügels, Kreuzrippengewölbe des 15. Jahrhunderts mit teilweise figürlichen Konsolen und Schlusssteinen sowie ein Kalksteinrelief mit Kreuzigungsgruppe aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Unter den zahlreichen im Kreuzgang aufbewahrten Grabsteinen des 15.–18. Jahrhunderts sind der für Abt Bertold Kegel (†1431), für Abt Gerhard Gladenbauch (Anfang 17. Jahrhundert) und der für Hans v. Warle (†1598) hervorzuheben.
Kunsthistorische Würdigung
Die herausragende Stellung des Kaiserdomes beruht auf dem Zusammentreffen zweier außergewöhnlicher historischer Umstände: der repräsentativen Ambitionen des kaiserlichen Stifterpaares und der Verfügbarkeit einer norditalienischen Steinmetzwerkstatt von höchster Qualität. Die überzeugenden Übereinstimmungen der Bauplastik in Königslutter — an der Hauptapsis, am Löwenportal, an den Kreuzgangsäulen und den Kapitellen der Ostteile — mit Werken in Ferrara, Verona und Piacenza lassen keinen Zweifel daran, dass eine Gruppe von zuvor in Oberitalien tätigen Steinmetzen diese Formen nach Norddeutschland vermittelt hat. Der durch Inschrift belegte, aber namentlich nicht mehr vollständig lesbare Meister darf mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nikolaus von Verona oder ein enger Nachfolger identifiziert werden. Bedeutsam ist dabei, dass der oberitalienische Vorbildkreis selbst durch die Aufnahme antiker Formen geprägt ist: Die so durch Italien vermittelten antikisierenden Einzelformen — Palmettenfächerkapitelle, korinthisierende Kapitelle, figürliche Friese — waren in Sachsen vor Königslutter völlig unbekannt. Zusammen mit den ersten monumentalen Gewölbekonstruktionen Norddeutschlands und der anspruchsvollen Mauertechnik gibt Königslutter dem Rang des kaiserlichen Stifters und der Würde seines Begräbnisortes eine prägnante architektonische Formulierung. Der Vergleich mit dem salischen Kaiserdom in Speyer liegt nahe: Königslutter ist das sächsische Gegenstück jener imperialen Memorialarchitektur.
Die Nachfolge der Königslutter-Bauplastik ist breit und reicht bis ins frühe 13. Jahrhundert: Hecklingen, Landsberg bei Halle, Braunschweig (Burg Dankwarderode, Aegidienkloster), Hildesheim (St. Michael), Schöningen, Mariental, Wunstorf sowie in Goslar die Frankenberger Kirche, die sogenannte Domvorhalle und die Neuwerkskirche. Diese breite Wirkungsgeschichte — verbunden mit dem Umstand, dass die Baugeschichte Königslutters nicht vollständig geklärt ist — hat zu Chronologieproblemen für die Architekturgeschichte des 12. Jahrhunderts geführt. Gleichwohl bleibt die Schlüsselstellung des Domes für die romanische Baukunst Sachsens in der Mitte des 12. Jahrhunderts unangefochten.
Typ: Ehem. Benediktiner-Klosterkirche (Kaiserdom)
Baustil: Romanik (Norddeutsche/Sächsische Romanik)
Grundsteinlegung: 1135 (Kaiser Lothar III. und Kaiserin Richenza)
Bauzeit: 1135 – ca. 2. Hälfte 12. Jahrhundert; Ergänzungen 13.–15. Jahrhundert
Maße (innen): Gesamtlänge 65 m · Mittelschiff 10 m breit | Querhaus 32 m lang/ 18,50 m hoch
Baumaterial: Elmkalkstein (Quadermauerwerk)
Restaurierungen: 1835 | 1890–94 | 1953–56 | 1978–80
Ausstattung (Auswahl): Kaisergrabmal 1708 (M. Helwig) | Taufstein 1614 | Osterleuchter 12. Jahrhundert
BedeutungSchlüsselbau der romanischen Architektur Sachsens; Einfluss der Werkstatt des Nikolaus von Verona
LageStiftsplatz 1, 38154 Königslutter am Elm
Ansicht von Osten des Kaiserdom in Königslutter mit Haupt- und Nebenapsis des Chor mit Vierungsreiter.
Ansicht von Osten mit Haupt- und Nebenapsis des Chor mit Vierungsreiter
Luftbild vom Vierungsturm aus Richtung Osten.
Ansicht von Osten des Kaiserdom in Königslutter mit Haupt- und Nebenapsis des Chor mit Vierungsreiter.
Luftbild der Ostapsis mit Bogenfries, Langhaus-Giebel aus Richtung Osten
Chorapsis
Chorapsis
Ansicht von Osten des Kaiserdom in Königslutter mit Haupt- und Nebenapsis des Chor mit Vierungsreiter.
Südostansicht aus dem Kreuzgarten auf das Westwerk und die Klausurgebäude
Romanisches Säulenportal mit Kapitellplastik am nördlichen Querhaus
Blick ins Deckengewölbe und die Ostapsis vom Chor
Panorama vom Chor, der Hauptapsis und der Nebenapsiden
Steilblick in den Chor und das Vierungsgewölbe in Richtung Osten
Blick aus dem nördlichen Querhaus mit Gewölbe, Langhaus und südlichem Querhaus
Zentralperspektive durch das Langhaus mit Säulenreihe, Obergaden und Chor in Richtung Osten
Kreuzgratgewölbe aus dem 17. Jahrhundert mit Gurtbögen im Langhaus
Vierungsgewölbe mit Malereien
Nördlicher Teil des zweischiffige Nordflügels im Kreuzgang mit romanischen Säulen
Säulenreihe im nördlichen Gang des Kreuzgang
Brunnenhaus im Kreuzgang
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aus dem Landkreis Helmstedt





















Sándor Kotyrba
Sándor Kotyrba