Dom St. Blasii
Braunschweig, Niedersachsen
Dom St. Blasii in Braunschweig zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten Norddeutschlands und ist eng mit Heinrich dem Löwen verbunden. Der Herzog von Sachsen und Bayern befand sich im Jahr 1172/73 auf einer Pilgerreise ins Heilige Land und ließ nach seiner Rückkehr 1173 den Bau des Doms beginnen. Er diente als fromme Stiftung und Grabeskirche für Heinrich, seine Gemahlin Mathilde und deren Nachkommen.
Bereits 1188 wurde der Marienaltar inmitten des Chores geweiht, und 1189 fand Mathilde im Ostteil des noch unvollendeten Langhauses ihre letzte Ruhe. Nach Heinrichs Tod 1195 war das Bauwerk, bis auf den Westbau, äußerlich weitgehend fertiggestellt. Kaiser Otto IV., ein Sohn Heinrichs, wurde 1218 ebenfalls hier beigesetzt. Die Domweihe erfolgte 1226 durch Bischof Konrad von Hildesheim. Damit waren Chor, Querhaus und Mittelschiff vollständig eingewölbt, während der Westbau jahrzehntelang unvollendet blieb.
Um 1235 entstand ein neues Grabmal für Heinrich und Mathilde, das zu den bedeutendsten Werken der deutschen Plastik des 13. Jahrhunderts zählt. Dabei wurden auch frühgotische Kleeblattbogenfenster eingefügt, die das ursprüngliche romanische Langhaus ergänzten. Im späten 13. Jahrhundert erfolgte der Bau der achteckigen Turmschäfte und des Glockenhauses am Westbau, der jedoch nie vollendet wurde.
Zwischen 1322 und 1346 wurde das südliche Seitenschiff erweitert, um als Begräbnisstätte für Herzog Magnus und seine Gemahlin zu dienen. 1463–1474 folgte der Neubau des Nordseitenschiffs, das die ursprüngliche romanische Struktur durch eine zweischiffige, spätgotische Anlage ersetzte. Die Nordschiffe gelten als Meisterwerke der spätgotischen Architektur mit aufwendig gestalteten „Schraubenpfeilern“ und Stern- sowie Netzgewölben.
Die Krypta unter Chor und Vierung beherbergt Kreuzgratgewölbe auf Säulen mit Würfelkapitellen. Das Langhaus ist dreischiffig, mit Kreuzgratgewölben im Mittelschiff und spitzbogigen Seitenschiffen, wobei die Pfeiler wechselweise kreuzförmig und quadratisch ausgebildet sind. Das Westbau-Erdgeschoss zeigt sich schlicht, während das hochgotische Maßwerk im Glockenhaus kunstvolle Details bietet.
Der Dom bewahrt bedeutende Kunstwerke, darunter das Imervard-Kruzifix, den 1188 geweihten Marienaltar, einen siebenarmigen Leuchter sowie das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Grabmal und Sarkophage der Welfenfamilie, zahlreiche Renaissance- und Barock-Epitaphien sowie restaurierte Fresken runden die eindrucksvolle Ausstattung ab.
Heute gilt der Braunschweiger Dom St. Blasius als herausragendes Beispiel romanischer und spätgotischer Architektur in Norddeutschland. Er vereint historische Grabstätten, meisterhafte Bauplastik und reiche Kunstwerke in einer klaren, eleganten Architektur und ist ein zentraler Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.
weitere Bilder
aus Braunschweig




















Sándor Kotyrba