Bruno-Taut-Siedlung

Berlin

Bereits während des Weges zum Objekt in der Bruno-Taut-Siedlung in Berlin erschloss sich mir aufs Neue der grundlegende Bauhaus-Gedanke. Es sollte eine einfache und durchdachte Formensprache aller lebensbegleitenden Dinge, inklusive der Architektur geschaffen werden. Dass „einfach“ leicht zu einer Gestaltung führt, die sich immer wiederholt und statt zu Gleichmäßigkeit zu Gleichtönigkeit führen kann, machte die Suche nach dem zu fotografierenden Haus etwas mühsam, aber durch die Begegnung mit einem Berliner Original wiederum unvergesslich.

Wer den Wohnungsbau des Bauhauses kennt, weiß dass sich die Häuser und die gesamte Siedlung nach einem konsequenten Muster entstanden. Und so ähnelten sich nicht nur die Reihenhäuser sehr, sondern auch die Wegeführung und die Gartenanlagen des gesamten Areals. Hinzu kam die etwas ungenaue Adressangabe, bzw. die falsche Hausnummer, des Objektes. Ich trat also durch einen kleinen Garten auf das Haus zu und stutzte bereits beim Lesen des Namens auf dem Klingelschild. Es war ein anderer Name als auf meinem Zettel. Nichts desto trotz klingelte ich – was blieb mir auch über. Die Tür öffnete ein hagerer Mann um die 70 Jahre. „Wat willste?“, blaffte er mich auf urberlinerisch an. „Guten Tag, mein Name ist Kotyrba und ich bin auf der Suche nach einer Familie Müller…“ Mir wurde ein „Steht da Name uff da Klingel, oder watt!“ wurde mir wohl eher als rhetorische Frage entgegen geschleudert. Mir entkroch ein leises „Nein“. „Verpfeif Dir Kunde!“ vernahm ich noch kurz bevor die Tür vor meiner Nase zuschlug. In mir verfestigte sich der Verdacht, dass die Adresse wohl nicht stimmen mag.

Nach einigen Mühen konnte ich die richtige Adresse doch in Erfahrung bringen und kam etwas verspätet bei einer sehr netten älteren Dame an, die mich bereits erwartete. Die Verspätung erwies sich im Nachhinein als positiv für die Aufnahmen, da die bereits tiefstehende Sonne sehr stimmungsvoll die Räumlichkeiten schien und ich auf diese Weise Bilder fotografieren konnte, die zu einem früheren Zeitpunkt nicht diese Wirkung gehabt hätten.